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Schneewittchen und Harley Quinn hängen im Schrank

Seit einem Jahr hat Svenja Schwan aus Maktredwitz ein ausgefallenes Hobby: Cosplay

Story by Onetz June 9th, 2016

Sajalyn lebt seit einem Jahr in Marktredwitz. Auffallend an ihr: Sie sieht immer wieder anders aus und erinnert an Märchenfiguren oder Comic-helden. Ihr Künstlername suggeriert zwar, dass sie aus dem „Land des Lächelns“ kommt, doch die 22-Jährige hat über ihr Hobby hinaus nichts mit Japan zu tun. Sie ist in Groschlattengrün geboren und heisst mit bürgerlichem Namen Svenja Schwan. Seit einem Jahr lebt sie mit ihrem Freund Philipp Schertel in Marktredwitz und studiert in Bayreuth Medienwissenschaften. Die ausgebildete Buchhändlerin hat ein ausgefallenes Hobby. Sie ist Cosplayerin.

Text und Video von Norbert Grüner / Fotos von Norbert Grüner und Philipp Schertel

Darin stecken zwei Begriffe: Costume (Kostüm) und play (spielen). Ein Cosplayer nimmt sich eine Figur aus einem Film, einem Comic oder einem Computerspiel und versucht sie vom Aussehen, wie auch vom Charakter her möglichst authentisch zu verkörpern. Diese Spielart der Verkleidung basiert auf der japanischen Manga (Comic)- und Anime (Zeichtrickfilm)-Szene. Über die USA schwappte die Welle über den großen Teich herüber und erreichte Mitte der 1990er Jahre auch Deutschland. Derzeit boomt die Szene und immer mehr Interessierte schlüpfen in die Rollen ihrer Helden.

SAJALYN als nick wild in marktredwitz

Nick Wild alias Svenja Schwan alias Sajalyn unterwegs in der Marktredwitzer Fußgängerzone.
Nick Wild alias Svenja Schwan alias Sajalyn unterwegs in der Marktredwitzer Fußgängerzone.
Nick Wild alias Svenja Schwan alias Sajalyn unterwegs in der Marktredwitzer Fußgängerzone.
Das passiert der Cosplayerin ständig: Kinder erkennen die Figur, die Svenja darstellt, und wollen mit ihr zusammen fotografiert werden.
Nick Wild alias Svenja Schwan alias Sajalyn unterwegs in der Marktredwitzer Fußgängerzone.
Nick Wild alias Svenja Schwan alias Sajalyn unterwegs in der Marktredwitzer Fußgängerzone.

Ziemlich genau vor einem Jahr hat Svenja das Feld für sich entdeckt und seither mehr als zehn Cosplays geschaffen. 2010 hat sie die Szene das erste Mal richtig erlebt. Berufsbedingt war sie auf der Leipziger Buchmesse und sah dort viele Cosplayer in Aktion. Buchmessen bieten den Darstellern ein breites Betätigungsfeld. Weil sie ja praktisch jede Roman-, Zeichentrick- oder Computerspielfigur in ein reales menschliches Wesen verwandeln können, sind sie beliebte Maskottchen der Händler. Schon als Kind hat Svenja Animes geschaut und viele Mangas gelesen. Auf den Buchmessen hat sie viele Charaktere sofort wiedererkannt. Sie löcherte die Akteure mit Fragen und beschloss schließlich: „Das mache ich auch.“

so verwandelt sich SAJALYN

Svenja Schwan verwandelt sich in Nick Wild.
Svenja Schwan verwandelt sich in Nick Wild.
Svenja Schwan verwandelt sich in Nick Wild.
Svenja Schwan verwandelt sich in Nick Wild.
Svenja Schwan verwandelt sich in Nick Wild.
Die Verwandlung von Svenja Schwan in Nick Wild. Ihr Lebensgefährte Philipp Schertel hilft, damit alles richtig sitzt.

Mittlerweile gibt es eigene Veranstaltungen für die Cosplayerszene, die sogenannten Comic-Cons. Dort sind Händlerbereiche für Cosplay, Anime, Manga und Comic eingerichtet, geben sich Stargäste die Ehre und gehen Workshops, wie Rüstungsbau oder richtiges Posieren beim Fotografieren, über die Bühne. Deutschlandweit schießen die Veranstaltungen aus dem Boden, wie die sprichwörtlichen Pilze das tun. Eine Kleine, aber Feine sei die Frankenmexx, die vierteljährlich in Nürnberg stattfindet, weiß Sajalyn. Eine Art Fantreffen, bei denen auch Kostüme präsentiert und bewertet werden. Einmal hat Svenja dort den ersten Platz gemacht.

Foto: Philipp Schertel
Foto: Philipp Schertel
Foto: Philipp Schertel
Foto: Philipp Schertel
Foto: Philipp Schertel
Foto: Philipp Schertel
Foto: Philipp Schertel
Foto: Philipp Schertel
„Wenn du willst, kannst du auch den Bergdoktor cosplayen“

Cosplay komme zwar aus Japan, sei mittlerweile aber auch stark durch westliche Comics geprägt. „Wenn du willst, kannst du auch den Bergdoktor cosplayen“, sagt Svenja. Mittlerweile seien die Grenzen da sehr fließend, respektive gäbe es eigentlich gar keine mehr. Definiert sei ein Cosplay so: So gut wie möglich einen Charakter aus Film, Fernsehen, Computerspiel, Manga, Anime oder Comic möglichst authentisch im Verhalten und Aussehen darzustellen.

Es gäbe mittlerweile aber auch sogenannte Art-Entwürfe eines Characters, der dann in seinem Aussehen verändert wird. Auch aus einem männlichen Charakter einen weiblichen oder umgekehrt zu machen, sei möglich. Dann spricht man von „Crossplay“. Ein solcher ist Svenjas neuester Charakter. Dabei handelt es sich um Nick Wild, den kleinkriminellen Fuchs aus dem Zeichentrickfilm „Zoomania“ (siehe Bilder oben). Das Kostüm hat Svenja gekauft und noch ein wenig modifiziert. Ein großer Streitpunkt in der deutschen Szene.

Werden in Japan alle Kostüme gekauft oder geliehen, existiere in Deutschland ein Lager, dass ein Cosplay nur akzeptiert, wenn es gänzlich selbst gemacht ist. Das sieht Svenja anders. Ein Hemd zum Beispiel, warum soll ich das nicht kaufen, sondern selber machen? Zudem sind meine Nähkünste noch nicht so gut, dass ich auch alles machen könnte.“ Die Mutter, die Industrienäherin ist, hilft bei größeren Baustellen weiter.

Foto: Philipp Schertel
Foto: Philipp Schertel
Foto: Philipp Schertel

Für das Cosplay der Sally aus „Nightmare before Christmas“ von Tim Burton hat Svenja das Grundkleid gekauft und solange modifiziert, bis es ihren Ansprüchen genügte. Aktuell arbeitet Svenja an der Facebook-Katze „Pushin“. Für Sajalyn zählt nur das Endergebnis und das muss einfach gut aussehen. Sie investiert viel Zeit in ihr Hobby und auch ziemlich viel Geld.

Auch wenn Svenja die Cosplays nur für sich macht, freut sie sich selbstverständlich darüber, wenn sie auch andere gut finden. Deshalb investiert sie nicht nur viel Zeit in die Charaktere, sondern genauso in ihre Facebook-Seite, wo sie ihre Cosplays professionell präsentiert.

Sajalyn zeigt im Video, wie sie das Kostüm für die Katze “Pushin” herstellen möchte und zeigt im Zeitraffer, wie sie sich in die Figur Nick Wild verwandelt.

Dabei ist ihr Lebenspartner, Philipp Schertel gefragt, der professionelle Fotos dafür liefert. Ausgesuchte Plätze, perfektes Licht, das Beherrschen der Technik. Drei wesentliche Komponenten, die Bilder entstehen lassen, die sich von den meisten anderen in der Szene äußerst positiv abheben. Seit Juli vergangenen Jahres zeigt Svenja im sozialen Netzwerk unter ihrem Künstlernamen Sajalyn ihre Cosplays und hat schon knapp 2000 Likes aus der ganzen Welt dafür bekommen.

Global sei wichtig, deshalb hat sie ihre Page auch in Englisch abgefasst. „Wenn die Fanpage eine gewisse Größe erreicht, kann es durchaus passieren, dass einen Firmen sponsern.“ Das ist Sajalyn schon einmal gelungen. „Ich investiere viel Zeit in meine Fanpage und hoffe, dass ich eines Tages durch Sponsoring wenigstens einen Teil meines Hobbys finanzieren kann.“

Schon als Kind habe sie sich immer gerne verkleidet und dann fotografieren lassen. Und Theaterspielen in der Grundschule und im Gymnasium hätte ihr ebenfalls immer große Freude bereitet. Mehr als zehn Cosplays hängen mittlerweile im Schrank, das Günstigste ist etwa 30, das Teuerste rund 200 Euro wert. Dazu kommen etwa 20 Perücken.

Foto: Philipp Schertel
Foto: Philipp Schertel
Foto: Philipp Schertel
Foto: Philipp Schertel

Wie viele Cosplayer es im Umkreis gibt, weiß Svenja nicht. In Bayreuth gibt es ein monatliches Treffen zu dem immer rund 20 Leute anreisen. In Weiden gäbe es angeblich auch eine Szene und von einem Waldershofer weiß sie, dass der sich ein StarWars-Kostüm inklusive Lichtschwert gekauft hat. Ob er aber jetzt ernsthaft Cosplay macht oder es nur bei diesem einen Kostüm bleibt, entzieht sich ihrer Kenntnis.

Svenja Schwan bei der Arbeit an der Facebook-Katze „Pushin“.
Svenja Schwan bei der Arbeit an der Facebook-Katze „Pushin“.
Svenja Schwan bei der Arbeit an der Facebook-Katze „Pushin“.

Svenja geht schon davon aus, dass ihre Begeisterung lange anhält. „Eigentlich geht es jetzt erst so richtig los. Was ich unbedingt machen möchte, ist die „Jeanne“ aus der Anemi-Serie „Kamikaze Kaito“. Die möchte ich auch selber nähen. Sie ist im Prinzip meine Kindheits-Heldin, die gibt es schon sehr lange. Die habe ich immer nach der Schule geguckt und mit einer Freundin auch Szenen daraus nachgespielt.“ Auch die „Tira“ aus dem Computerspiel „Soulcalibur“ ist eine Figur, die sie unbedingt machen will. „Aber ich bin in keiner Weise festgelegt. Man sieht Filme anders an, wenn man cosplayt.“
Im August kommt der Film „Suicide Squad“ in die deutschen Kinos. Zur Vorpremiere am 17. in Marktredwitz und am 18. in Tirschenreuth, will Sajalyn den Zuschauern als Cosplay einer der Titelhelden, „Harley Quinn“, die Plätze anweisen (siehe Bilder unten).
Nachdem sie eine Meerjungfrauenflosse gesponsort bekommen hat, mit der man sogar schwimmen kann, schwebt Svenja Schwan auch die Meerjungfrau „Arielle“ vor. Für die Figur arbeitet sie derzeit an einem Muschel-BH.
„Ich habe Pläne ohne Ende“.

Foto: Philipp Schertel
Foto: Philipp Schertel
Foto: Philipp Schertel

Weiterführende Informationen

Mehr Infos zu Sajalyn:

www.facebook.com/sajalyncosplay

www.sajalyn.com

Mehr Infos zu Cosplay in Deutschland:

www.cosvalley.de



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Footnote: Text und Video: Norbert Grüner - Bilder: Philipp Schertel und Norbert Grüner