Von Hans Meindl
Sonne, Schnee, Natur genießen mit allen Sinnen: Entschleunigung. Der viele Schnee in dieser Woche macht’s möglich – eine gemütliche Schneeschuhwanderung rund um den Buchberg. Vorbei an schönen Aussichtspunkten, über zwei Gipfel und sogar zu historischen Sehenswürdigkeiten.
Gleich rechts neben der Buchberghütte beginnt der Weg mit leichtem Anstieg. Eine Infotafel zeigt den gesamten Streckenverlauf. Mal mehr, mal weniger steil führt der Pfad durch den tief verschneiten Wald. Er ist so schmal, dass man nur hintereinander gehen kann. Die schneebeladenen Äste hängen weit herein – Winterwaldromantik pur.
Breite Waldwege werden überschritten und sonst, wenn möglich, gemieden. Leicht ansteigend geht es weiter, bis einige Langläufer die Strecke queren: Es sind die gut präparierten Loipen am Sender. Dann ist das erste Etappenziel erreicht – der höchste Punkt im Landkreis Amberg-Sulzbach, auf dem Rotbühl mit einer Höhe von 673 Metern. Ein eher unscheinbarer Gipfel, aber trotzdem mit einem Kreuz.
In den Morgenstunden schimmert der Wald in eigenartigem Blau, während draußen schon die Sonne scheint. Ein weiteres wichtiges Ziel ist erreicht: der Arberblick. Bei guter Sicht reicht er über das Naabtal in südöstliche Richtung und lässt die Berge des Bayerischen Waldes erkennen. In weiter Ferne steht ein Windrad, an dessen linker Seite der Arber liegt. Hier lädt im Sommer eine Bank zum Erholen, Ausruhen und Genießen ein. Auch die Schneeschuhwanderer haben Zeit – Entschleunigung ist angesagt.
Nach kurzer Rast umgehen sie einen merkwürdigen Graben, der plötzlich zu enden scheint: Es ist der Teufelsgraben. Hier, am Südhang des Buchbergs, scheint besonders viel Schnee zu liegen. Er ist flockig, butterweich und selbst die breiten Schneeschuhe sinken tief ein. Etwas langsamer stapfen die Wanderer weiter, immer der Sonne entgegen. Sie scheint einem hier direkt ins Gesicht: Kurz stehen bleiben, Augen zu, Sonnenstrahlen spüren und die Seele baumeln lassen. Ganz einsam und schmal ist hier der Pfad, eine der schönsten Stellen der Tour. Links und rechts junger Laubwald, über und über mit Schnee bedeckt, der glitzert und glänzt wie tausend Kristalle.
Jetzt wäre auf dem Waldweg eine Abkürzung möglich, etwa zwei Kilometer weniger zum Buchberggipfel. Die Winterwanderer folgen lieber dem breiten Waldwirtschaftsweg leicht abwärts, bis an den Waldrand. Die Sonne meint es hier besonders gut, dieser Teil heißt auch Sonnenterrasse am Engelberg. Auf dem Festplatz von Mertenberg mit seinen Holzhütten drückt dann eisiger Nebel herein und verzaubert die großen Buchen durch spitzige Eiskristalle. Ein kurzes Stück wird es nun etwas steiler, ganz hinauf auf den 667 Meter hohen Buchberg. Ein Gipfel, wie man ihn sich bei uns vorstellt: ein großer Granitstein mit Deckplatte, dahinter das Gipfelkreuz. Der Inschrift im Querbalken „Die Schönheit der Heimat preist dich o Gott“ kann man nur zustimmen.
Von nun an geht es nur noch bergab. Unter der Liftanlage von Sitzambuch hindurch. Es ist Skibetrieb. Die Wanderer gehen abwärts, bis zum Landgrafdenkmal. Dann taucht eine historische Seltenheit auf, Schlössl oder Burgstall genannt. Ein mächtiger, künstlicher Hügel mit zwei tiefen Wallgräben. Hier atmet man Geschichte: Diese Anlage soll bis auf die Zeit von 600 nach Christi zurückgehen. Ein Pfad führt zu einer alten Wanderhütte. Von hier hat man einen wunderbaren Ausblick nach Norden. Bald geht es steil bergab, die Schneeschuhe krallen sich ein.
Ein neu angelegter Sprüchlweg mit religiösen, philosophischen und heimatbezogenen Sinnsprüchen regt zum Nachdenken an. Ein Ringwall, der aus der Zeit der Kelten stammen soll, spannt sich um diesen Hügel. Nach Norden öffnet er sich und fällt steil ab. Ein ehemals strategisch wichtiger Standort, denn man kann weit ins Land hineinschauen, bis ins Böhmische hinüber. Hier thront auf dem Hügel die Nepomukkapelle. Zufällig treffen die Wanderer hier, in der Einsamkeit, Kirchenpfleger Martin Rumpler. Er kommt fast jeden Tag herauf, um nach dem Rechten zu schauen und seine Wintervögel zu füttern. Er war es, der vor einigen Jahren diesen wunderbaren Wanderweg mit den gelben Pfeilen angelegt hat, so abwechslungsreich und hervorragend ausgeschildert. An seinem Ende wartet die Buchberghütte mit einer Stärkung.
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